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Wenn Wörter und Sätze sich von selbst fügen

Auf das Kreative Schreiben bin ich zufällig gestossen. Schon bei meinen ersten Versuchen hat mich diese Art des Schreibens gefesselt. Hier dürfen sich die Wörter und Sätze zeigen und fügen, wie sie wollen. Sie sprudeln von selbst. Schon bei meinem ersten Kurs realisierte ich: So zu schreiben macht nicht nur mir Freude, sondern auch anderen. Und die Resultate überraschen.


Meiner Tätigkeit als Schreiblehrerin und Schreibbegleiterin vorausgegangen ist eine lange Zeit der Liebe zum Schreiben, die schon in der frühen Kindheit begonnen hat. Bald lernte ich die zwei Seiten des Schreibens kennen: Es fühlt sich wunderbar an, sich mit Worten auszudrücken, solange man im Schreibfluss ist. Doch irgendwann versiegt die Inspiration, man fühlt sich blockiert und gibt die Idee, die man eigentlich verfolgen wollte, wieder auf. Und ist geneigt zu glauben, dass man zum Schreiben eben doch nicht taugt.


Durch das Kreative Schreiben wurde mir bewusst: Jede Schreibblockade lässt sich auflösen. Und jede, jeder kann schreiben. Denn ob man gut oder nicht gut schreibt, diese Frage stellt sich im Kreativen Schreiben nicht. Diese Ausgangslage führte bei mir zu einem Aha-Erlebnis, denn sie öffnet die Tore für das Schreiben. Das Kreative Schreiben hat für mich deshalb seine Faszination nie verloren.


Schreibwelten ohne Grenzen

Jeder, der den Wunsch hat zu schreiben, kann aus den Methoden des Kreativen Schreibens Nutzen ziehen. Immer wieder gibt es Menschen in meinen abendlichen Kursen, die etwas müde oder abgespannt von der Arbeit des Tages wirken. Sind sie dann eingetaucht in die Welt des Schreibens, in der keine Grenzen auferlegt werden, ändert sich oft der Gesichtsausdruck – die Betreffenden wirken entspannt, ein Leuchten ist auf einmal wahrzunehmen. Das sanfte Strahlen, das in Gesichtern auftaucht, die Freude dieser Menschen, das ist es, was mir die Gewissheit gibt, etwas Sinnvolles zu tun.


Lernfeld des Journalismus

Bei meiner Tätigkeit als Journalistin und Redaktorin hat mir dieser Sinn gefehlt. Ich schrieb Artikel, schrieb gerne, wusste aber nicht, ob sie bei irgendjemandem etwas bewirken. Ich habe bei dieser Tätigkeit aber viel über das Schreiben gelernt. In Redaktionsteams haben wir uns mit unseren Texten auseinandergesetzt, sie gegengelesen, Feedback gegeben. Ich schrieb nicht nur, ich redigierte auch. Ich habe mich mit Kriterien für das journalistische Schreiben auseinandergesetzt. Durch all diese Herausforderungen und Erfahrungen habe ich mich als Schreibende und Lesende weiterentwickelt. Ich habe mich aber auch an den Vorgaben für das journalistische Schreiben gerieben und empfand sie zunehmend als einengend.


2026 Beate Kogon